ANTON THIEL

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die Koepfe der Verzweifler, der schlichtweg Ratlose, der bis zum Hals in der Scheiße Steckende, der Beklommene, der Eingeengte, der zu Erde Werdende, der nach Atem Ringende, der um Vergebung Flehende, der sich elend Fühlende, der um Gnade Wimmernde, der zu Eis Erstarrte, der um sein Leben Bettelnde, der in stoischer Ruhe seinem Verderben Entgegensehende, der vom Irrsinn Überwältigte, der ohne Hoffnung Verbliebene, der die Augen Verdrehende, der im tiefsten Herzen Getroffene, der über alle Grenzen hin- weg Schreiende, der wie mit Beton Übergossene, der Schutzlose, der unverdrossen um Befreiung Wimmernde, der den Todesschweiß Ausschwitzende, der ohne Stimme Verblie- bene, der Ruhmlose, der keinen ruhigen Gedanken mehr Fassende, der, dessen Name Erinnerungen Vergessene, der Hort allen Spottes, der schandhaft Entblößte, der jegliches Elend auf sich Vereinende, der zur Scham Geronnene, der alles Verfluchende, der vor den Kopf Gestoßene, der Orientierungslose, der aus den Fugen Geratene, der einen kläg- lichen Schrei Ausstoßende, der mit seinem Schicksal Hadernde, der von seinen Lieben Fortgerissene, der vom Himmel Verlassene, der seine Feinde Verfluchende, der, dem der Atem schwindet, der ins Inferno Schauende, der hysterisch Lachende, der von Krämp- fen Überwältigte, der von quälender Finsternis Umgebene, der sich an die Versprechen des Jenseits Klammernde, der den Moder der Erde Vorwegnehmende, der hingebungs- voll Ergebene, der vom Tremor des Schreckens Befallene, der leise Gebete Sprechende, der resigniert den Kopf Senkende, der die Weltordnung infrage Stellende, der von sei- nem Schutzengel Verlassene, der die Lobpreisungen der guten Geister Herbeisingende, der um die letzten Atemzüge Ringende, der auf die Auferstehung des Fleisches Hoffende, der den Augenblick des Geschehens Herbeisehnende, der aus seinen Wunden Blutende, der ängstlich mit dem Kopf Wackelnde, der zu dröhnender Taubheit Verurteilte, der aus Angst mit den Zähnen Klappernde, der Fassungslose, der sein ganzes Leben Rekapitu- lierende, der ohne Unterlass mit den Augen Rollende, der Tränenüberströmte, der sich mit seinen Peinigern sinnlos Solidarisierende, der mit den Ackerfurchen auf seiner Stirn, der seine Unschuld Beteuernde, der mit seinem Schweiß die Erde Tränkende, der in sich Versunkene, der demütig Wartende, der seinen ungläubigen Blick um sich Werfende, der seinen Geist Aushauchende, der mit dem Irrwitz Ringende, der neunundneunzig Schutzheilige Anrufende, der vor Schmerz heftig Grimassierende, der mit seinem Leben Abschließende, der dem Ende Entgegensehende, der scheinbar Gleichgültige, der sich an die Hoffnung der Vergebung Klammernde, der vom Lachen des Irrsinns Gebeutelte, der mit aschgrauer Farbe im Gesicht mit der Erde Verschmelzende, der durch den Stachel der Egge am Haupt Gezeichnete, der bis zuletzt nichts Verstehende, der mit gebrochener Stimme Lallende, der auf die gnadenvolle Hand des Vaters Wartende, der ohne Angst das Bevorstehende Erwartende, der wie in seiner Kindheit den Vorgang mit fest zugedrückten Augen verschwinden Lassende, der dieser irrealen Situation das Lied der Barmherzigkeit Entgegenhaltende, der den Maden des Ackers alles Versprechende, der ins Jenseits Hinüberschauende, der mit dem im Halse steckenden Schrei, der Wutschleuderer mit den gefesselten Armen, der die Schande auf sich Nehmende, der sich den Würmern Darbietende, der sich in Erde Verwandelnde, der sanftmütig Versinkende, die Schmerzensreiche

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Margarethenkapelle – Mai 2017

Anton Thiel: "DEKAPITATION, das Buch
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Anton Thiel: "DEKAPITATION, Ausstellung in der Margarethenkapelle 2017
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A. Thiel • 2017